Dartprofi werden und sein Geld nur mit dem Werfen von Pfeilen verdienen: Welcher große Dartfan träumt nicht davon?! Doch wie realistisch ist es eigentlich, sich zu einem erfolgreichen Dartspieler zu entwickeln?

Was braucht man dafür und wie genau verläuft der Weg hin zum Dartprofi? All das erfährst du im Folgenden.

Wie schwierig ist es, Dartprofi zu werden?

Wir möchten dir nichts vormachen: Es ist sehr schwierig, Dartprofi zu werden. Das gilt zumindest dann, wenn du unter „Dartprofi“ jemanden verstehst, der allein vom Ausüben dieses Sports leben kann. Um das zu gewährleisten, musst du dich in den Top 100 der Order of Merit, also der PDC-Weltrangliste, etablieren.

Hinweis:

Mit einem wirklich guten Verdienst kannst du erst rechnen, wenn du dich dauerhaft in den Top 20 bewegst. Die Spieler auf den Rängen 20 bis 100 können mit Darts zwar in der Regel ihren Lebensunterhalt verdienen, sich aber nicht unbedingt als reich bezeichnen.

Der Weg zum Dartprofi macht Spaß, ist aber auch extrem anspruchsvoll – zumal es bei Weitem nicht nur vom Talent abhängt, ob es für den großen Wurf reicht.

Du musst dich durchbeißen und dir jeden Schritt eigenständig erarbeiten und erkämpfen: mit Disziplin, Durchhaltevermögen und mentaler Stärke. Das leitet schon zum nächsten Abschnitt über.

Was sind die Voraussetzungen, um Dartprofi zu werden?

Anders als etwa beim Fußball gibt es im Dartsport kein klassisches Scoutingsystem. Es läuft also nicht so, dass du irgendwann bei einer lustigen Partie in der Kneipe entdeckt und für so gut befunden wirst, dass du an der Pro-Tour der PDC teilnehmen darfst.

Stattdessen musst du selbst auf Dartverbände zugehen, wenn du in den Profibereich vorstoßen willst.

Das klingt erst einmal kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Um es auf den Punkt zu bringen: Du musst bei einem Q-School-Turnier, der Challenge Tour oder der Development Tour der PDC top Leistungen abrufen, um eine Tour Card zu ergattern, mit der du dann zwei Jahre lang bei den „Großen“ mitspielen darfst und die Chance hast, dich als Profi zu etablieren.

An den eben erwähnten Qualifikationsturnieren für Hobbyspieler darf prinzipiell jeder teilnehmen, der mindestens 16 Jahre alt ist. Bei der Challenge Tour und Development Tour gibt es noch weitere Voraussetzungen, doch darauf gehen wir später näher ein.

Zurück zu den Quali-Turnieren an sich: Deren Existenz und die wenigen Teilnahmebedingungen machen das System durchaus sehr fair. Allerdings gilt es vor allem für die Q-School ein relativ hohes Startgeld zu entrichten.

Damit möchte die PDC sicherstellen, dass sich wirklich nur Spieler anmelden, die sich für ready halten, sprich ein vernünftiges Spielniveau haben.

Kurzum solltest du also die folgenden Voraussetzungen erfüllen, wenn du Dartprofi werden möchtest:

  • ein sehr gutes Spielniveau haben (15- oder besser 12-Darter, Average ab 95 – aber natürlich jeweils unter Turnierbedingungen, nicht ohne jeden Druck zuhause im Wohnzimmer! Das sehr gute Spielniveau impliziert also auch mentale Stärke.)
  • das nötige Startkapital besitzen

Zum Startkapital müssen wir ein paar Worte mehr sagen, denn es spielt leider eine ziemlich große Rolle. Wenn du zwar talentiert genug bist, um Dartprofi zu werden, dir aber das nötige Geld für die Anfangszeit fehlt, hast du keine Chance.

Wir wollen hier keinesfalls schwarz malen, aber dich davor bewahren, dass du dir Illusionen machst und hinterher enttäuscht bist.

Merke:

Zuerst benötigst du das Geld für die Anmeldung bei einem Q-School-Turnier. Dafür fallen bereits mehrere Hundert Euro an. Wenn es dir tatsächlich gelingt, eine Tour Card zu erspielen, hast du schon viel geschafft, aber dennoch nur eine Art Eintrittskarte in der Hand. Die ganzen Reisekosten für die Teilnahmen an den PDC-Turnieren trägst du selbst.

Das bedeutet, dass du entweder genügend Erspartes auf der Seite haben oder schon früh Sponsoren an Land ziehen solltest, um dir deinen Start in die Profikarriere als Dartspieler zu finanzieren.

So doof und seltsam es klingen mag: Bevor du mit Dart Geld verdienen kannst, musst du erst einmal selbst einiges davon ausgeben.

Wie verläuft der Weg zum Dartprofi?

Der Weg zum Dartprofi besteht im Wesentlichen aus drei großen Etappen:

  • auf regionaler und nationaler Ebene Turniererfahrung sammeln
  • über die Q-School, die Challenge Tour oder die Development Tour der PDC eine Tour Card erspielen
  • sich auf der Pro-Tour der PDC einen Namen machen und in die Top 64 einziehen

Wichtig:

Während dieser Etappen geht es außerdem ständig darum, neue Sponsoren zu gewinnen. Denn wie oben schon gesagt: Du brauchst ein gewisses Startkapital, um wirklich Dartprofi werden zu können.

Regional und national Turniererfahrung sammeln

Viele ambitionierte Hobbydarter stellen sich die Frage, ob man unbedingt in einen Dartverein eintreten muss, um Profi zu werden.

Nein, zwingend notwendig ist es nicht, aber dennoch zu empfehlen – aus einem einfachen Grund: Als Mitglied eines Vereins hast du weit mehr Möglichkeiten, regelmäßig an ernsthaften Turnieren teilzunehmen und Erfahrungen zu sammeln.

Wir wiederholen es gerne noch einmal: Es ist zwar schön und gut, wenn du bei dir zuhause bei 501er-Runden regelmäßig mit 15 oder noch weniger Darts auskommst. Doch mit einem Gegner und Zuschauern im Kreuz findest du dich in einer ganz anderen Situation wieder.

Erst wenn du auch unter Druck top performen kannst, bist du wirklich in der Lage, Dartprofi zu werden.

Deshalb unser Rat: Such dir einen Dartverein des DDV (Deutscher Dart-Verband) in deiner Region und melde dich dort an. Dies garantiert dir regelmäßigen Wettbewerb.

Du nimmst an Turnieren teil, misst dich dabei mit anderen regionalen und nationalen sowie manchmal auch internationalen Talenten und kannst dir eine gewisse Routine unter Wettkampfbedingungen antrainieren.

Wenn du im DDV Fuß gefasst hast, stehen die Chancen nicht schlecht, dass du dich auch im größten Dartverband der Welt nach und nach etablieren kannst.

Die Rede ist natürlich von der PDC. In den nächsten Abschnitten gehen wir näher auf die Q-School sowie die Challenge Tour und die Development Tour ein. Denn diese Einrichtungen können das Sprungbrett zur Profikarriere als Darter sein.

PDC Q-School

Die Q-School bringt dich direkt auf die PDC-Tour – aber nur, wenn du herausragend performst. Es handelt sich dabei um eine mehrtägige Qualifikationsveranstaltung, die jedes Jahr im Januar an zwei Orten ausgetragen wird: Wigan in England und Hildesheim in Deutschland.

Merke:

Das Q steht für Qualifying.

Um an der Q-School teilnehmen zu können, musst du

  • mindestens 16 Jahre alt sein und
  • 450 Pfund (circa 510 Euro) bezahlen.

Das Startgeld setzt sich aus der Anmeldegebühr (400 Pfund) und den Kosten für die Darts Regulation Authority (DRA), also das Schiedsgericht der PDC, das bei den Turnieren der Q-School vor Ort ist (50 Pfund), zusammen.

Die Q-School in Hildesheim erstreckt sich auf insgesamt sieben Tage und ist in zwei Phasen eingeteilt:

  • Phase 1: 3 Tage, Vorrunden
  • Phase 2: 4 Tage, Final Stage

Die vier Tagessieger der Final Stage erhalten eine der begehrten Tour Cards. Circa zehn weitere Tour Cards werden über die Q-School Order of Merit vergeben.

Hinweis:

Jedes Jahr versuchen Hunderte von ambitionierten Spielern ihr Glück bei den Q-School-Turnieren. Die Konkurrenz ist also enorm – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Mit der Tour Card darfst du an großen PDC-Turnierserien teilnehmen. Sie ist zwei Jahre lang gültig. Wenn dir in dieser Zeit der Sprung in die Top 64 der Order of Merit gelingt, bist du weiterhin berechtigt, auf der PDC-Tour zu spielen. Ansonsten musst du dich nach den zwei Jahren erneut qualifizieren.

Übrigens:

Wenn du eine Tour Card gewinnst, hast du noch einmal eine einmalige Gebühr in Höhe von 100 Pfund zu bezahlen. Danach bist du vorerst von Startgeldern bei PDC-Turnieren befreit.

PDC Challenge Tour

Gelingt es dir nicht, über die schwierige Q-School eine Tour Card zu ergattern, kannst du im Anschluss an der PDC Challenge Tour teilnehmen. Diese umfasst ungefähr 20 Turniere im Jahr und führt eine eigene Rangliste.

Stehst du in der Challenge Tour Order of Merit am Saisonende auf Rang 1 oder 2, erhältst du eine Tour Card. Belegst du einen der Plätze von 3 bis 8, springt für dich immerhin eine kostenlose Teilnahme beim nächsten Q-School-Turnier heraus.

Wichtig:

Um an der Challenge Tour teilnehmen zu dürfen, musst du vorher zwingend beim Q-School-Turnier gewesen sein.

PDC Development Tour

Die PDC Development Tour richtet sich speziell an ambitionierte Nachwuchsspieler im Alter zwischen 16 und 23 Jahren.

Wiederum erhalten der Erst- und Zweitplatzierte der Development Tour Order of Merit eine Tour Card für die Pro-Turniere der PDC und die Spieler auf den Rängen 3 bis 8 einen kostenlosen Startplatz bei der nächsten Q-School-Veranstaltung.

Dem Toursieger winkt hier noch ein zusätzliches Highlight: Er darf bei der PDC Darts-WM im Alexandra Palace teilnehmen.

Die besten Spieler der Development Tour Order of Merit qualifizieren sich für die PDC World Youth Championships. Und der Sieger der Jugend-Weltmeisterschaft erhält ebenfalls einen Startplatz für die PDC Darts-WM der Großen.

Übrigens:

Vier Turniere der PDC Development Tour finden in Deutschland statt, wiederum in Hildesheim.

Wie lange benötigt man, um Dartprofi zu werden?

Es lässt sich nicht pauschal beantworten, wie lange man benötigt, um Dartprofi zu werden.

Manche schaffen es innerhalb weniger Monate, während andere viele Jahre benötigen, bis sie den perfekten Mix aus hohem Spielniveau, mentaler Stärke und ausreichendem Startkapital zusammenhaben beziehungsweise bei einem der PDC Qualifying-Turniere eine Tour Card gewinnen.

Merke:

Das beste Beispiel für einen schnellen Aufstieg ist Gerwyn Price. Bis 2013 war der 1985 geborene Waliser professioneller Rugbyspieler. Erst mit Ende 20 entschied er sich dafür, alles zu tun, um Dartprofi zu werden. 2014 erspielte sich Pryce beim Q-School-Turnier eine zweijährige Tour Card.

Innerhalb eines Jahres schaffte er schon den Sprung in die Top 60 der Order of Merit. 2021 gewann er die PDC-WM und wurde die Nummer 1 der Weltrangliste.

In welchem Alter muss man anfangen, um Dartprofi werden zu können?

Dartprofi kann man in jedem Alter werden. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man schon mit sechs, sieben Jahren die ersten Pfeile wirft oder erst mit 30 oder noch später beginnt.

Entscheidend ist, wie viel Talent, Trainingsfleiß und vor allem mentale Stärke man mitbringt. Diese Aspekte geben den Ausschlag, ob es für eine professionelle Dartkarriere reicht.

Natascha Mussger

Natascha Mussger

Natascha Mussger hat Psychologie studiert und befasst sich seit 2005 mit den mentalen Aspekten des Dartsports. In Zusammenarbeit mit Matthias Rossner schrieb sie drei Bücher zu diesem Thema, darunter auch “Mentales Dart: Treffsicherheit beginnt im Kopf”.